Mit ihm kam die Hochzeit in die Fertigung: Vor 75 Jahren lief der erste Opel Olympia, benannt nach dem zukünftigen Großereignis des Jahres 1936, in Rüsselsheim vom Band – der erste deutsche
Großserienwagen mit selbsttragender Ganzstahlkarosserie. Sein Konzept sollte Technik-Geschichte schreiben.
Der gläserne Opel Olympia 1,3 Liter war das Vorzeigemodell auf der Berliner Automobilausstellung im Februar 1935. Dach, Türbleche, Motorhaube und Kofferraum des Ausstellungsstücks waren aus
Plexiglas gefertigt, um die neue Form des rahmenlosen Aufbaus zu veranschaulichen.
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Olympia mit Durchblick auf der Berliner Automobilausstellung 1935:
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Die Karosserie des Opel Olympia ist wie ein Brückenträger aufgebaut.
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Schon im Jahr zuvor, am 19. September 1934, war das „sprengwerkartige Wagenkastengerippe“ zum Patent angemeldet worden. „Das Gerippe der Karosserie ist wie ein Brückenträger aufgebaut, eine
Ausführungsform, die bei geringstem Gewicht die mühelose Aufnahme großer Kräfte möglich macht. Dieses Gerippe besteht aus Profilträgern, die wie im Metallflugzeugbau miteinander verbunden sind“,
erklärten die Opel-Konstrukteure das Prinzip der selbsttragenden Karosserie.
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Produktion des Olympia in Rüsselsheim: Qualitätskontrolle am Ende des Bandes.
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Im April ging das neue Modell in Serienfertigung. Sein technisches Konzept markierte den Bruch mit der herkömmlichen Bautechnik in der Automobilproduktion. Bisher setzte der Automobilbau
auf die aus dem Kutschen-Zeitalter stammende Trennung von Rahmen und Aufbau und in der Regel auf eine Holz/Stahl-Gemischtbauweise. Dies war nun vorbei: „Die von früher her gewohnte Unterteilung
zwischen Fahrgestell und Karosserie wird hinfällig“, so die Opel-Konstrukteure.
Mit einem Leergewicht von nur 835 Kilogramm wog der neue Olympia bei gleicher Motorisierung 135 Kilogramm weniger als sein Vorläufer. Der anfangs 18 kW/24 PS starke 1,3-Liter-Motor beschleunigte
das Gefährt auf eine Spitzengeschwindigkeit von 95 km/h. Dabei benötigt der Olympia im Schnitt neun Liter Benzin auf 100 Kilometer. Weitere Neuerungen: Der Schwerpunkt des Autos lag rund 15
Zentimeter tiefer als beim alten Opel 1,3 Liter – bei fast unveränderter Bodenfreiheit. Für tadelloses Fahrverhalten sorgte außerdem die Opel-Synchron-Federung. Das Ergebnis aller Maßnahmen
beschrieb der Rüsselsheimer Hersteller so: „Selbst mit hoher Geschwindigkeit kann man in die Kurve gehen, der Olympia ist kurvensicher.“ Bei einer Gesamtlänge von nur 3,95 Metern war der Wagen
zudem sehr wendig. In der Zeitschrift „Motor und Sport“ war zu lesen: „Die Fahrleistungen sind für einen 1,3-Liter-Wagen sehr beachtlich und setzen den Führer des Wagens in die Lage, sehr
ansehnliche Reisedurchschnitte zu erzielen.“
Auch der Innenraum überzeugte mit komfortbetonten wie praktischen Qualitäten. „Die Polstersitze sind mit Cord bezogen, die Rücklehnen der Vordersitze lassen sich vorklappen, die Hintersitze sind
in Breite und Tiefe so günstig bemessen, dass man volle Bewegungsfreiheit hat und auch dadurch keine Fahrstrapazen spürt“, lautete die zeitgenössische Beschreibung. Die Konstruktion der
selbstragenden Karosserie „aus einem Guss“ erhöhte darüber hinaus die Sicherheit der Passagiere: Das Dach war aus einem zusammenhängenden Stück Stahl gefertigt und gab dem Auto weitere
Stabilität; im Bereich des gabelförmigen Frontprofils absorbierte eine Sollbruchstelle bei einem Auffahrunfall einen Teil der Aufprallenergie – ein Vorläufer von steifer Fahrgastzelle und
Knautschzone.
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„Hochzeit“: Per hydraulischem Hebetisch wird der Motor von unten in die Karosserie eingepasst.
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Die selbstragende Ganzstahlkarosserie machte aber nicht nur das Auto leichter, sicherer und komfortabler, sie erst ermöglichte moderne Fahrzeugfertigung in Großserie. Heute in der
Automobilindustrie Standard, war die so genannte „Hochzeit“ zwischen Karosserie und Aggregaten vor 75 Jahren eine Premiere. Zum ersten Mal wurden die komplett vormontierten Achsen und Motoren
nicht mehr ins aufbaulose Chassis geschraubt, sondern über hydraulische Hebetische in die von oben an Förderketten herbeigeführten Karosserien hineingehoben.
Der gesamte Produktionsablauf ging so schneller und effizienter vonstatten – wirtschaftliche Vorteile, die auch an die Kunden weitergegeben wurden. Die zweitürige Limousine und die zweitürige
Cabriolet-Limousine waren ab 2.500 Reichsmark zu haben und unterboten damit das 1,3 Liter Vorläufermodell um satte 450 Mark.
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Noch ziert kein Blitz den Kühler des Olympia, sondern Zeppelin und Diskuswerfer.
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Noch aber trug der Olympia nicht den berühmten Blitz, sondern einen stilisierten Zeppelin und einen Diskuswerfer am Bug. Passend dazu startete Opel spektakuläre Werbeaktionen.
Zwei Olympia fuhren im Juni 1936 nach Griechenland, um den Fackelstaffellauf vom Stadion des alten Olympia bis nach Berlin zu begleiten. Der 500.000ste Opel seit Beginn der Fertigung 1899 –
natürlich ein Olympia – nahm im Bauch des Luftschiffs Hindenburg als erstes Automobil den Luftweg nach Rio de Janeiro, wo Wagen und Besatzung begeistert empfangen wurden. Das wirkte: 37.127
Olympia wurden im Jahr der Olympischen Spiele produziert.
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Fackellauf: Im Juni 1936 fahren zwei Olympia nach Griechenland, um anschließend das Olympische Feuer nach Berlin zu begleiten.
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Bereits 1935 hatte Opel mit 102.293 gebauten Fahrzeugen als erster deutscher Automobilhersteller bei der Jahresproduktion die 100.000-Fahrzeuge-Grenze übertroffen. 1936 avancierte das Unternehmen
mit 120.852 verkauften Lkw und Pkw zum größten Automobilproduzenten Europas. Bis zum Spätsommer 1937 liefen 81.661 Olympia in Rüsselsheim vom Band, nicht zuletzt dank intensiver Modellpflege. Die
beschert dem Olympia 1,3 Liter im gleichen Jahr eine auf 26 PS gestiegene Motorleistung sowie eine hydraulische Bremsanlage und ein Vierganggetriebe.
Zum Modelljahr 1938 erfuhr der Olympia eine grundlegende Überarbeitung und präsentierte sich in drei Varianten. 2.675 Mark kostet die zweitürige Limousine ab Werk, 2.750 Mark die
Cabriolet-Limousine und 2.950 Mark die neue Limousine mit vier Türen. Statt der mittig angeschlagenen Motorhaubenhälften bekam der Olympia eine vorn und in einem Stück zu öffnende
„Alligatorhaube“. Die größte Änderung verbarg sich darunter. Der 38 PS starken 1,5 Liter-ohv-„Hochleistungsmotor“ qualifizierte den Olympia den 1,5 Liter sogar für den Motorsport.
Elf Wagen, darunter drei Olympia im Serientrimm, nahmen 1938 an der internationalen Deutschen Alpenfahrt teil. Die Fahrt über 1.600 Kilometer wurde für Opel zu einem Triumph: alle elf Autos kamen
ins Ziel, gewinnen fünf Goldplaketten, zwei Edelweißmedaillen und den begehrten
Alpenpokal für den besten Serienwagen.
Im Jahr 1940 musste die Produktion ziviler Fahrzeuge in Rüsselsheim eingestellt werden, insgesamt 168.875 Olympia rollten bis dahin vom Band. Der erste Personenwagen aus Rüsselsheim nach dem
Krieg im Dezember 1947 war eine überarbeitete Version des Olympia, 1953 folgte der Olympia Rekord. Den Namen tragen nachfolgende Opel-Modelle noch bis zu Beginn der 1970er Jahre.